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„Die Prüfung war an einem Freitag“

Ur-Garstedter Bruno Engel fährt seit 60 Jahren unfallrei- Ehrung durch die Verkehrswacht Harburg-Land
05.01.2004 / E. Arndt
Bruno Engel hat alles fest im Griff: Sein ganzer Stolz ist ein mehr als 50 Jahre alter Deutz-Trecker mit strammen 15 Pferdestärken. Doch damit holt er nur sein Holz. Besorgungen macht macht Bruno Engel mit seinem Pkw, natürlich ei
Bruno Engel hat alles fest im Griff: Sein ganzer Stolz ist ein mehr als 50 Jahre alter Deutz-Trecker mit strammen 15 Pferdestärken. Doch damit holt er nur sein Holz. Besorgungen macht macht Bruno Engel mit seinem Pkw, natürlich ei
Über dieses Geburtstagsgeschenk hatte er sich besonders gefreut: Für 60 Jahre unfallfreies Fahren wurde Bruno Engel aus Garstedt jetzt von der Verkehrswacht Harburg-Land geehrt: mit einer Anstecknadel fürs Anzugrevers, einer schmucken Urkunde für die Wohnstube und einem Lorbeerblatt zum Anbringen am Auto. Gerd Trautvetter, Verkehrswacht-Vorstandsmitglied, überreichte die Auszeichnung jetzt im Beisein von Garstedts Bürgermeister Klaus-Peter Wind. So ganz überraschend kam die Aktion indes nicht, schließlich hatte Bruno Engel selbst auf diese Leistung hingewiesen. Dass die Ehrung aber an seinem 77.Geburtstag erfolgte, war dann doch etwas Besonderes.

„60 Jahre unfallfrei zu fahren, das kommt nicht so häufig vor“, sagte Trautvetter während der Übergabe, die in der gemütlichen Stube des Engelschen Anwesens über die Bühne ging. Darauf könne er schon sehr stolz sein, meinte Trautvetter. Damit gehe von dieser Leistung auch eine Vorbildwirkung aus.

Bruno Engel, 1926 in Garstedt geboren, hatte den Führerschein zu einer Zeit gemacht, als die halbe Welt in Flammen stand. Im Spätsommer 1943 war Engel beim Reichsarbeitsdienst (RAD), der in der Regel vor der Zuziehung zum Wehrdienst abzuleisten war. „Die Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung war damals wirklich kein Zuckerschlecken. Wenn ich daran denke, was wir damals alles lernen mussten“, erinnerte sich Engel im WA-Gespräch. Viel technisches Wissen und entsprechende Fertigkeiten wurden abverlangt. „Wir lernten damals sogar alles rund um den Holzvergaser-Antrieb.“ Heute würde man wohl von „alternativen Antrieben“ sprechen. Doch im letzten Drittel des 2.Weltkrieges ersetzte der Holzvergaser das immer knapper werdende Benzin beziehungweise den Diesel. Auch nach dem Krieg war der Holzvergaser-Antrieb noch eine Zeit lang im Gebrauch.

Praktische Fahrstunden machten Engel und seine Kameraden damals mit dem Motorrad, dessen Technik natürlich „auch aus dem Eff-eff beherrscht werden musste“. Die eigentliche Führerscheinprüfung fand dann am 15.September 1943 statt. „Ich erinnere mich noch wie heute daran, es war an einem Freitag“, sagt Bruno Engel. Neben dem umfassenden praktischen Teil war auch jede Menge Theorie, vor allem technische Kenntnisse, gefordert. Im Februar 1944 wurde der Fährerschein dann offiziell ausgestellt, und zwar im Landratsamt in Winsen, „das damals in Baracken untergebracht war, die sich im Winsener Schlosspark befanden“.

An einen eigenen fahrbaren Untersatz war während des Krieges natürlich nicht zu denken. Erst 1949 war es soweit. Da konnte sich Bruno Engel über eine Motorrad - „200 Kubik-Motor, 75 Km schnell“ freuen. 1952 kam dann das Fahrzeug dazu, das wie kaum ein anderes für das deutsche Wirtschaftswunder und die rasante Motorisierung Westdeutschlands steht: der Käfer. Als Landwirt hatte Engel natürlich auch Nutzfahrzeuge, also Traktoren. Sei ganzer Stolz ist ein alter, mehr als 50 Jahre alter Deutz-Traktor, der in seinem ehemaligen Kuhstall steht und somit optimal gegen Petrus´Launen geschützt ist. Wenn der 15 PS-Motor anspringt und das liebevolle, Deutz-typische Tuckergeräusch entsteht, dann gerät Bruno Engel immer noch ins Verzücken. Den Trecker-Oldie abzugeben, das käme ja nicht im Traume in Frage.

50 Jahre unfallfreies Fahren, wie bekommt man das hin, zumal heute, bei der Verkehrsdichte? Engel geht kurz in sich: „Ein Patenrezept habe ich nicht. Sicherlich war in alle den Jahren auch immer etwas Glück dabei. Aber eines habe ich mir immer zur Devise gemacht. Man muss immer für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken.“ Verkehrsexperten haben dafür diese Umschreibung erdacht: vorausschauendes Fahren.

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