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LK Harburg: Information zur Endlagersuche gefordert

30.06.2021 / Admin / Quelle: Landkreis Harburg

Wie bewertet man die Sicherheit von Salzstöcken, wenn sie auf die Eignung als atomares Endlager überprüft werden? Das möchte die Bundesgesellschaft für Endlager (BGE) am Beispiel des Salzstockes Bahlburg untersuchen. Im Salzstock, der sich von Luhdorf bis hinter Garstedt erstreckt, sollen in einem Pilotprojekt für den Wirtsgestein-Typ „stehende Salzstrukturen“ Methoden für die Sicherheitsüberprüfung entwickelt werden. Der Landkreis Harburg, die Stadt Winsen und die Samtgemeinde Salzhausen kritisieren dieses Vorhaben und insbesondere die mangelhafte Kommunikation durch die BGE. Denn Kreis und Kommunen sind von den Planungen der BGE nicht informiert worden. Erst am Rande der digitalen Informationsveranstaltung „Standortauswahlverfahren Endlagersuche“ wurde praktisch zufällig und erst auf Nachfrage bekannt, dass die BGE den Salzstock Bahlburg im Rahmen eines Pilotvorhabens für die Entwicklung von Methoden zur Sicherheitsuntersuchung als Grundlage nutzen möchte.

Landrat Rainer Rempe, der Winsener Bürgermeister André Wiese und der Salzhäuser Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause fordern darum nun nachdrücklich umfassende Informationen zu dem Vorhaben. „Wir hätten erwartet, vor der Endlagerkonferenz unaufgefordert und detailliert über diese Pläne und die Auswirkungen informiert zu werden. Ein solches Vorgehen sorgt bei den Menschen vor Ort für Verunsicherung und Misstrauen, statt durch transparente und frühzeitige Informationen Akzeptanz für das bundesweite Verfahren zur Endlagersuche zu schaffen“, betont Landrat Rempe. „Das ist mehr als unglücklich gelaufen“, sagt Bürgermeister Wiese. „So schafft man kein Vertrauen“, ergänzt Krause. „Die BGE muss jetzt umgehend und ausführlich Rede und Antwort stehen“, sind sich Landrat und Bürgermeister einig.

Auf Grundlage der bisher bekannten Pläne der BGE für das Pilotprojekt ergeben sich nach Einschätzung von Landkreis und Kommunen einige drängende Fragen. Landkreis und Kommunen wollen von der BGE wissen, warum sie nicht vorab informiert wurden, weshalb der Salzstock ausgewählt wurde und was das Ganze über die Eignung des Salzstocks für ein atomares Endlager aussagt. „Uns ist es wichtig zu erfahren, ob im Rahmen des Pilotprojekts allein theoretische Betrachtungen und Modellierungen geplant sind oder ob bereits vor Ort mit konkreten Aktivitäten und Untersuchungen zu rechnen ist“, sagt Landrat Rempe. Auch wollen Landkreis und Kommunen wissen, ob und inwieweit bei einem Fachforum der BGE zu Sicherheitsfragen am 6. Juli weiteres über Sicherheitsuntersuchungen und die Methodenentwicklung besonders zum Salzstock Bahlburg gesagt wird.

„Im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger werden wir die Endlagersuche noch kritischer beobachten und begleiten“, kündigt Landrat Rempe an. Für ihn steht ebenso wie für die beiden Bürgermeister fest: Der Salzstock Bahlburg kommt, ebenso wie andere Flächen im Landkreis Harburg, als atomares Endlager nicht in Frage. Auch wenn die Flächen im ersten Untersuchungsschritt geologisch geeignet erschienen, seien andere Kriterien wie die Nähe zur Wohnbebauung, die Bedeutung für die Natur und als Erholungsgebiete klare Ausschlusskriterien.

Der Bund hat nach dem jahrelangen Streit um den Salzstock Gorleben die Suche für ein atomares Endlager neu gestartet. Die Entscheidung über den Standort für ein atomares Endlager soll, ausgehend von einer „weißen Landkarte“, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen getroffen werden. 2031 will der Bund den Standort gefunden haben, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Ziel ist es, einen Standort in Deutschland für die Tiefenlagerung der hochradioaktiven Abfälle zu finden, der für eine Million Jahre die bestmögliche Sicherheit bietet. Ein erster Zwischenbericht weist 90 sogenannte Teilgebiete aus, die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Demnach sind rund 54 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland aus geologischer Sicht für die Endlagerung von Atommüll grundsätzlich geeignet. Darunter sind auch Ton- und Salzformationen im Landkreis Harburg. Welche Gebiete bundesweit tatsächlich als bestmöglicher Standort in Frage kommen, wird in den nächsten Jahren in einem mehrstufigen Verfahren geklärt. Die ermittelten möglichen Standorte werden nach und nach weiter eingegrenzt, indem neben der Geologie weitere Kriterien, beispielsweise die Nähe zu Wohngebieten, berücksichtigt werden und anschließend sogenannte Standortregionen genauer erkundet werden. Über die Auswahl der sechs bis acht Standortregionen, die rechnerisch noch etwa 0,1 Prozent der Landesfläche entsprechen dürften, entscheidet der Bundestag.

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